Wochenspruch:
Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und asein Leben gebe als Lösegeld für viele.

(Markus 10,45)

Gemeindeleben in besonderen Zeiten
Seit fast zwei Wochen liegt, wenn das Mitteilungsblatt erscheint, das Gemeindeleben wie auch alles andere öffentliche Leben brach. Insbesondere Gottesdienste sind untersagt -- ein heftiger Einschnitt. Die Möglichkeiten, sich ersatzweise im Freien unter Beachtung notwendiger Schutzmaßnahmen zum Gebet zu treffen, wurden auch von Tag zu Tag weniger -- an Ideen hat es nicht gemangelt. Mit Redaktionsschluss Mittwoch Vormittag war das Pfarramt letzte Woche vollbeschäftigt, den Shutdown des Gemeindelebens zu organisieren und zu kommunizieren. Allmählich erwachen wieder die kreativen Kräfte: Mit der Frage, wie es trotz allem weitergehen kann. Derzeit ist der Shutdown am untersten Punkt. Nur noch eine komplette Ausgangssperre unter Ausschluss auch persönlicher Spaziergänge könnte noch weitere Einschränkungen bieten.

Vielen Menschen fehlt das Gemeindeleben -- denn Gemeinschaft macht die Schlierbacher Kirchengemeinde aus. Gemeinschaft unter Christen. Gemeinschaft im Hören auf Gottes Wort. Gemeinschaft im Gebet. Gemeinschaft im Arbeiten und Dasein für andere. Und Kirchengemeinde war in Schlierbach noch nie eine Einbahnstraße, wo der "Herr Pfarrer" allein auf weiter Flur Dienstleistungen erbringt und der Rest der Gemeinde Dienstleitungen empfängt. Gemeindearbeit in Schlierbach war schon immer ein Miteinander. Und das ist gut so. Den Gedanken "Miteinander füreinander" stärken wir auch, wo es nur geht.

Das alles geht aber momentan nicht. Das fällt schwer. Wichtig ist es, dass wir mit dem Beten nicht aufhören. Dass wir uns mit Gottes Wort versorgen. Da ist jede und jeder einzelne jetzt in großer Verantwortung für sich. Es ist, wie es Ministerpräsident Winfried Kretschmann formuliert hat: "Durch die behördlichen Maßnahmen wird nicht das Beten eingeschränkt, sondern nur das Beten in Gemeinschaft. Der liebe Gott weiß ja auch, dass wir jetzt in einer Krise sind".

Gebet ist wichtig für die Lage. Gebet kann das Ende der Corona-Krise beschleunigen. Gebet braucht es für die, die schwer krank sind. Für die, die sie pflegen. Für Regionen, in denen alles aus dem Ruder gelaufen ist. Für Menschen, die bei uns die Grundversorgung sicherstellen. Für Menschen, die die Einhaltung aller Maßnahmen zu kontrollieren haben. Für Menschen, die die Verantwortung haben, in dieser Krise zu steuern (Bürgermeister Krötz nicht zu vergessen). Für Menschen, deren Existenz durch wirtschaftliche Einbrüche gefährdet ist -- das betrifft vor allem die Inhaber kleiner Geschäfte, die schließen müssen oder auch nur Umsatzeinbußen haben. Gebet wirkt. Gebet verändert die Lage. Wir müssen auch beten für die Menschen, die den Krisenkoller bekommen. Und für solche Menschen, die heiße Verschwörungstheorien vertreten ("Corona ist nur ein Vorwand, um uns alle wegsperren zu können, während draußen der Umsturz und die Enteignung vorbereitet werden") -- die durchaus in der Lage sind, Menschen, die das glauben, so in Wut zu versetzen, dass auch das gefährlich werden könnte. Dass wir alle uns jetzt selbständig geistlich "ernähren" müssen, ist eine große Herausforderung. Aber auch die Chance, dass wir das wieder lernen. Evangelisch sein heißt: Ich darf selbst und in eigener Verantwortung zu Gott kommen. Unbestritten natürlich, dass die Gemeinschaft mit anderen Christen, wie sie die Kirche ja anbietet, dafür extrem hilfreich ist. Aber notfalls muss es mal alleine gehen. Die Kirchengemeinde wird zu jedem Zeitpunkt so viel Gemeinschaft wie möglich und verantwortbar anbieten. Aber jetzt natürlich diszipliniert sein. Wer das für eine Gebetszeit braucht, kann z.B. unsere Glockenläutzeichen als Anstoß nehmen, fünf Minuten vor Gott zu treten. Klar ist aber auch: Gott ist auf diese Zeiten nicht angewiesen. Gebet geht immer. Zeiten und Glocken sind nur eine Hilfe für uns Menschen, auch dranzudenken. Man kann sich auch ganz anders selbst erinnern. Und wenn man auf dem Smartphone seinen täglichen Gebetstermin auf 17.38 Uhr einstellt und sich erinnern lässt... Hauptsache, Sie tun es. Die Glocken läuten bewusst wie immer und zusätzlich täglich um 19.30 Uhr. Auch zu den ursprünglich geplanten Gottesdienstzeiten, obwohl Gottesdienste in der Kirche nicht erlaubt sind.

Wir können nicht jeden anrufen und persönlich versorgen. Jeder und jede ist gefragt, jetzt mit den verbleibenden erlaubten Mitteln etwas gegen Einsamkeit zu tun. Dazu kann ich nur aufrufen! Es wäre ein Gewinn, wenn wir hier lernen würden, tragfähige Netzwerke aufzubauen. Und es macht Freude zu sehen, dass in Schlierbach manches an Miteinander und Netzwerk selbstverständlich schon gelebt wird, was andere anderswo erst noch mühsam lernen müssen. Selbstsorge ist richtig und wichtig, der Egotrip dagegen völlig falsch. Miteinander füreinander. Das funktioniert natürlich nur, wenn Menschen an allen Ecken und Enden mitmachen und es nicht den "bezahlten Profis" überlassen (die ihrerseits wieder das sind, wo es drum geht, sich um Mitarbeiter oder besonders schwere Fälle zu kümmern).

"Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren" (Philipper 4,7) -- das wollen wir beim Wort nehmen.

Ein paar Ideen werden langsam greifbar, nehmen Form an. Sie können sich noch verändern. Aber ein Rahmen ist schon da:

Ersatzangebote für den Gottesdienst

Tipps für Gottesdienste in Rundfunk, Fernsehen und Internet finden Sie unter https://www.elk-wue.de/#layer=/gemeindeleben-online und https://www.ekd.de/gottesdienste-im-livestream-und-rundfunkangebote-54272.htm. Diese Verweise sind auch auf unserer Website verlinkt. Bitte informieren Sie auch (vorwiegend ältere) Nachbarn, die keinen Internetzugang haben, über Fernsehgottesdienste. Auch der Evangeliumsrundfunk "ERF" (www.erf.de) und der Fernsehsender "Bibel-TV" bieten viel geistlich wertvolles. Derzeit sind auf der Seite der Landeskirche rund 25 Video-Gottesdienste eingestellt, von denen mindestens 10 von Menschen stammen, die Pfr. Steffens persönlich kennt und deren Angebote vielversprechend sind. Bitte wählen Sie aus. Es ist ein reichliches und gutes Angebot vorhanden.

Wir arbeiten -- aufbauend auf die Technik zur Videoübertragung ins Gemeindehaus -- an einem Schlierbacher Videogottesdienst und haben uns zum Ziel gesetzt, Karfreitag und Ostern (und dann und wann auch sonst) ein eigenes Videoangebot zu haben. Ansonsten möchten wir den Markt nicht überschwemmen, indem jede der 2000 Kirchengemeinden in Württemberg jeden Sonntag ihr eigenes Video veröffentlicht. Auch technische Fragen sind noch in Klärung -- wir sehen jedoch schon erheblich weiter als letzte Woche.

Jeden Sonntag gibt es eine schriftliche Andacht. Diese kann auf der Internetseite heruntergeladen werden (Link zur Andacht vom 29.03.2020) und liegt tagsüber (Kernzeit 11-17 Uhr) gedruckt am Pfarrhaus (bisher im Turmdurchgang der Kirche) aus. Wer sie sich nicht (z.B. im Rahmen eines erlaubten einsamen Spaziergangs) selbst holen kann oder will oder Nachbarn hat, die ihr/ihm eine mitbringen, ruft bitte im Pfarramt an. Wir bringen die Andachten auch vorbei (in den Briefkasten). Auch eine Audio-Fassung auf der Kirchen-Website kommt in Betracht. Bitte schauen Sie auf unserer Website nach oder fragen direkt im Pfarramt an, wie weit die einzelnen Angebote schon sind. Dass es technisch auch gelingt, müssen wir uns vorbehalten. Sollte eine Gottesdienstdatei von uns ein Passwort verlangen, lautet dies schorschi1499.

Seelsorge weiter möglich
Selbstverständlich besteht trotz des Ausfalls quasi des gesam­ten Gemeindelebens das Angebot, Seelsorge in Anspruch zu nehmen, weiterhin. Bitte wenden Sie sich an Pfarrer Georg Steffens, Tel. 3314.
Für Seelsorgegespräche werden wir wo immer möglich das Telefon nutzen. Hausbesuche sind derzeit auszusetzen bzw. auf extremste Notfälle zu beschränken.

Wir regen an, telefonisch oder über elektronische Me­dien mit anderen Gemeindegliedern in Kontakt zu bleiben. Auf diesem Weg ist auch gemeinsames Gebet möglich. Bitte werden Sie selbst initiativ – und melden Sie uns Menschen, die keine geeigneten Gesprächspartner haben, aber telefonisch zu erreichen sind.

Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konfirmation
Wir teilen die Hoffnung, dass striktes Einhalten der jetzt notwendigen Maßnahmen am ehesten hilft, so schnell wie möglich den normalen Betrieb wieder aufnehmen zu können. Unser derzeitiger Horizont geht von einem Zeitraum bis Ende der Osterferien aus – analog zu den Schulschließungen. Ein Außerkrafttreten der entsprechenden Notverordnung ist sogar erst für den 15. Juni vorgesehen. Die weitere Entwicklung können wir nur abwarten. Aussagen über das Stattfinden anstehender wichtiger Veranstaltungen, etwa der Konfirmationen, können wir erst treffen, wenn es soweit ist, sehen sie aber derzeit als stark gefährdet an. Beerdigungen finden statt, wenn auch unter erheblichen Auflagen. Taufen und Trauungen sind derzeit abzusagen. Wir sind mit den betroffenen Familien im Gespräch. Bitte haben Sie Verständnis, dass das Planen von Ersatzterminen derzeit noch nicht möglich ist, da alles von den weiteren Entwicklungen abhängt.

Pfarrbüro weiterhin für den Publikumsverkehr geschlossen

Aufgrund der aktuellen Verordnungen ist auch das Pfarramt für den Publikumsverkehr geschlossen. Pfarrer Georg Steffens bleibt über die üblichen Telefonnummern und Mailadressen erreichbar. Im Zweifel bitte auf den Anrufbeantworter sprechen und Rückruf abwarten. Bitte bedenken Sie, dass wir derzeit sehr viel mehr als sonst telefonieren müssen, und lassen Sie sich von einer besetzten Leitung oder vom Anrufbeantworter nicht entmutigen.

Hilfe für Menschen in der Corona-Klemme: Kirche wird tätig!
Da Menschen über 65 Jahren und mit gravierenden Vorerkrankungen als besonders gefährdet insbesondere für schwere bis tödliche Krankheitsverläufe gelten, kam schon frühzeitig die Anregung, solchen Menschen etwa das Einkaufen abzunehmen. Da über das Rathaus eine entsprechende Aktion aktuell bereits läuft, wird es seitens der Evangelischen Kirche bewusst KEINE eigene Aktion geben. Vielmehr rufen wir Kirchenleute (und natürlich auch alle anderen) dazu auf, sich tatkräftig an der nunmehr gemeinsamen Aktion von Rathaus, Evangelischer Kirche und ggf. weiteren Partnern zu beteiligen. Daher bitten wir Menschen, die hier helfen können und möchten, sich telefonisch im Pfarramt oder beim Rathaus (siehe dortige Veröffentlichung) zu melden. Alle weiteren Schritte und die genaue Vorgehensweise besprechen wir dann. Zugleich appellieren wir dringend an die Risikopersonen (die vom Rathaus angeschrieben wurden), sich zum eigenen Schutz diese Hilfe gefallen zu lassen und in Anspruch zu nehmen -- denn auf eine hohe Zahl schwerer Krankheiten oder gar Todesfälle durch Corona legen wir überhaupt keinen Wert und glauben, dass sich das Risiko so effektiv reduzieren lässt. Ebenso rufen wir jüngere Menschen auf, die sich aufgrund schwerer Vorerkrankungen auch zur Risikogruppe zählen müssen, aber nicht angeschrieben wurden, Einkaufsunterstützung jedoch gebrauchen können, sich ebenfalls beim Pfarramt oder der Rathaus-Einkaufs-Hotline zu melden.

Gemeindedienstmitarbeiter: Neuer Gemeindebrief -- Änderungen beachten
Der aktuelle Gemeindebrief befindet sich im Druck. Wir halten die Verteilung des Gemeindebriefs im Blick auf ein mögliches Infektionsrisiko für unbedenklich, da es zu keinen persönlichen Begegnungen kommt und Spaziergänge erlaubt bleiben (auch solche, die an Briefkästen von Häusern unterbrochen werden). Alle AusteilerInnen halten sich selbstverständlich auch streng an die Infektionsschutzempfehlungen, insbesondere Handhygiene und Husten-/Niesetikette. Damit es beim Abholen zu keiner Menschenansammlung kommt, werden wir NEU im Lauf des 1. April allen AusteilerInnen ihre Gemeindebriefkisten und -tüten nach Hause bringen. -- Wem von den AusteilerInnen das Risiko dennoch zu hoch ist, meldet sich bitte bis 31. März im Pfarramt. Wir werden eine Vertretungslösung finden.

Wie überall hängen wir von der dynamischen Entwicklung der Lage ab. Informationen können bereits bei Drucklegung wieder überholt sein. Wie bemühen uns, diese Website und Aushänge im Schaukasten tagesaktuell zu halten, und verweisen im Zweifel hierauf.

 

Weitere Infos

Spenden / Spendenbescheinigung

Werden Spenden über die Bank gemacht und erhalten Sie innerhalb von 2 Monaten keine Spendenbescheinigung, dann melden Sie sich bitte bei Frau Zwölfer (Kirchenpflege Tel: 43114).